Informationen über Predatory Open Access

Was ist Predatory Open Access?

Kurz gesagt beschreibt der Begriff das Geschäftsmodell vorgeblicher Online-Fachzeitschriften (Journals), die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Aufsätzen in Open Access gegen Gebühr anzubieten, aber dafür keinen Qualitätssicherungsprozess (z. B. peer review) und keine redaktionelle Bearbeitung der Artikel zu gewährleisten, die bei herkömmlichen Fachzeitschriften (online oder print, closed access oder open access) zu erwarten wären. Dies ist nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Unter Umständen wird ein Qualitätssicherungsprozess nur scheinbar durchgeführt, während die angeblichen peers oder Mitglieder des editorial boards entweder überhaupt nicht existieren oder sich niemals bereit erklärt haben, für das Journal zu gutachten. Es kann auch der Fall auftreten, dass zunächst die unentgeltliche Veröffentlichung eines Artikels suggeriert wird und der Autor erst nach der Einreichung über die anstehenden Veröffentlichungsgebühren informiert wird. Ebenso möglich ist es, dass durch Nachahmung des Designs oder durch Anlehnung an den Namen renommierter Verlage der Eindruck erweckt werden soll, es handele sich um einen ebensolchen, obwohl dies nicht der Fall ist.

Verbreitung

Das Phänomen ist im deutschen Sprachraum nahezu unbekannt. Jedoch sind zahlreiche englischsprachige Open Access Journals in den Verdacht von Predatory Open Access geraten. Fachlich sind besonders Journals im MINT-Bereich betroffen, aber auch in den Geisteswissenschaften, etwa in der Mediävistik, ist das Problem nicht gänzlich unbekannt.

Vorsichtsmaßnahmen

Für die Autoren oder Autorinnen ist - bei weniger bekannten Open-Access-Zeitschriften - eine genauere Prüfung vor Einreichung eines Beitrags empfehlenswert.

  • Verzeichnisse und Listen

    Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) bietet einen guten Anhaltspunkt zur Recherche nach qualitätsgesicherten Open Access-Zeitschriften. Weiterhin kann überprüft werden, ob der herausgebende Verlag der OASPA angehört, der internationalen Gemeinschaft von Open Access-Verlegern mit strengen Kriterien für eine Mitgliedschaft. Auch die Checklistevon Think!Check!Submit! kann hilfreich sein, um sich vor Einreichung eines Artikels einen Eindruck von der Seriosität eines Journals zu verschaffen.

  • Vorsicht bei unverhofften Angeboten nach Konferenzen
  • Insbesondere Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler erhalten nach im Internet angekündigten Tagungen, Workshops, Symposia oder Konferenzen, auf denen sie einen Vortrag in englischer Sprache gehalten haben, Angebote von Verlagen zur Veröffentlichung des verschriftlichten Vortrags in einer angeblichen Fachzeitschrift, von der sie noch niemals zuvor gehört haben. Hier ist es zwar möglich, dass es sich um einen seriösen Verlag und um eine anerkannte Fachzeitschrift handelt, aber um sicher zu gehen, sollte die/der Betroffene sich im Internet, bei Kolleginnen und Kollegen oder - falls vorhanden - bei der Betreuerin oder dem Betreuer seiner wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit versuchen über den betreffenden Verlag bzw. die Zeitschrift zu informieren.

    • Weitere Informationsquellen

    Auch die Online-Kataloge oder Discovery-Systeme der wissenschaftlichen Bibliotheken bieten Anhaltspunkte zur Identifikation von nur vorgeblich seriösen Open Access-Verlagen/Zeitschriften - oder besser zu deren Ausschluss. Eine wissenschaftliche Bibliothek wird in der Regel nur jene Online-Zeitschriften abonnieren, die für die jeweiligen Fächer einschlägig und von den Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern mehrheitlich anerkannt sind.


    Quellen und weiterführende Informationen

    Marcus Putnings: Predatory Open Access Publishers.

    University of Manchester Library: Advice on predatory journals and publishers.

    Jan Alexander van Nahl: The Robber Barons of Open Access Publishing, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte, 16. Juni 2015, http://mittelalter.hypotheses.org/6260.