Informationen über Predatory Open Access

Was ist Predatory Open Access?

Kurz gesagt beschreibt der Begriff das Geschäftsmodell vorgeblicher Online-Fachzeitschriften (Journals), die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Aufsätzen in Open Access gegen Gebühr anzubieten, aber dafür keinen Qualitätssicherungsprozess (z. B. peer review) und keine redaktionelle Bearbeitung der Artikel zu gewährleisten, die bei herkömmlichen Fachzeitschriften (online oder print, closed access oder open access) zu erwarten wären. Dies ist nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Unter Umständen wird ein Qualitätssicherungsprozess nur scheinbar durchgeführt, während die angeblichen peers oder Mitglieder des editorial boards entweder überhaupt nicht existieren oder sich niemals bereit erklärt haben, für das Journal zu gutachten. Es kann auch der Fall auftreten, dass zunächst die unentgeltliche Veröffentlichung eines Artikels suggeriert wird und der Autor erst nach der Einreichung über die anstehenden Veröffentlichungsgebühren informiert wird. Ebenso möglich ist es, dass durch Nachahmung des Designs oder durch Anlehnung an den Namen renommierter Verlage der Eindruck erweckt werden soll, es handele sich um einen ebensolchen, obwohl dies nicht der Fall ist.

Verbreitung

Das Phänomen ist im deutschen Sprachraum nahezu unbekannt. Jedoch sind zahlreiche englischsprachige Open Access Journals in den Verdacht von Predatory Open Access geraten. Fachlich sind besonders Journals im MINT-Bereich betroffen, aber auch in den Geisteswissenschaften, etwa in der Mediävistik, ist das Problem nicht gänzlich unbekannt.

Vorsichtsmaßnahmen

Stark rezipierte Listen mit Verlagen oder einzelnen Zeitschriften, die in den Verdacht geraten sind, das besagte Geschäftsmodell zu verfolgen, führt der amerikanische Wissenschaftler Jeffrey Beall. Seine Kriterien für die Aufnahme in seine Liste hat Beall ebenfalls offengelegt. Obwohl diese Liste einen möglichen ersten Einstieg bei der Frage nach der wissenschaftlichen Redlichkeit eines Journals bieten kann, ist auch bei der Liste selbst Vorsicht geboten. Beispielsweise sind einige von Bealls Kriterien zur Identifizierung möglicher Predatory Open Access Publisher umstritten. Auch ist seine Liste nicht in jedem Fall aktuell, so dass sich dort unter Umständen noch Verlage oder Zeitschriften finden, die einst aus guten Gründen in der Liste verzeichnet waren, die aber ihr Geschäftsmodell geändert haben und seither seriösen Open Access inklusive Peer Review und redaktioneller Bearbeitung bieten.

  • Vorsicht bei unverhofften Angeboten nach Konferenzen

Insbesondere Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler erhalten nach im Internet angekündigten Tagungen, Workshops, Symposia oder Konferenzen, auf denen sie einen Vortrag in englischer Sprache gehalten haben, Angebote von Verlagen zur Veröffentlichung des verschriftlichten Vortrags in einer angeblichen Fachzeitschrift, von der sie noch niemals zuvor gehört haben. Hier ist es zwar möglich, dass es sich um einen seriösen Verlag und um eine anerkannte Fachzeitschrift handelt, aber um sicher zu gehen, sollte die/der Betroffene sich im Internet, bei Kolleginnen und Kollegen oder - falls vorhanden - bei der Betreuerin oder dem Betreuer seiner wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit versuchen über den betreffenden Verlag bzw. die Zeitschrift zu informieren.

  • Weitere Informationsquellen

Auch die Online-Kataloge oder Discovery-Systeme der wissenschaftlichen Bibliotheken bieten Anhaltspunkte zur Identifikation von nur vorgeblich seriösen Open Access-Verlagen/Zeitschriften - oder besser zu deren Ausschluss. Eine wissenschaftliche Bibliothek wird in der Regel nur jene Online-Zeitschriften abonnieren, die für die jeweiligen Fächer einschlägig und von den Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern mehrheitlich anerkannt sind.

Schließlich bietet auch das Directory of Open Access Journals (DOAJ) einen guten Anhaltspunkt zur Recherche nach qualitätsgesicherten Open Access-Zeitschriften. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verweist darauf. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass in Einzelfällen Zeitschriften im DOAJ in den Verdacht geraten, Predatory Open Access zu betreiben, und deshalb in der oben genannten Beall's List verzeichnet werden.


Quellen und weiterführende Informationen

Marcus Putnings: Predatory Open Access Publishers.

University of Manchester Library: Advice on predatory journals and publishers.

Jan Alexander van Nahl: The Robber Barons of Open Access Publishing, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte, 16. Juni 2015, http://mittelalter.hypotheses.org/6260.